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Arsène Wenger – Seit 20 Jahren erfolglos in London?
Bill Clinton hat seine Wähler von einer zweiten Amtszeit überzeugt, Berti Vogts ist aktueller Trainer der deutschen Nationalmannschaft und Manchester City ist gerade in die zweite Liga abgestiegen.
Wissen Sie von welchem Jahr die Rede ist? Es ist das Jahr 1996. In genau diesem Jahr ist Arsène Wenger Trainer bei Arsenal London geworden und bekleidet bis heute ununterbrochen das Amt. Trotz seiner äußerst langen Amtszeit wird ihm wird oft Erfolglosigkeit vorgeworden. Was genau ist dran?

Wenn es einen Namen gibt der im derzeitigen internationalen Fußball für Konstanz steht, ist es das Trainerurgestein von Arsenal London. Trotzdem wurden unter seiner Regie in letzter Zeit nur wenige Titel gewonnen. Dabei lief sein Start fabelhaft. Nach seinem Wechsel vom japanischen Erstligisten Nagoya Grampus Eight nach London, waren die ersten acht Jahre von Erfolg geprägt, denn es konnten alle Saisons mindestens mit dem zweiten Platz abgeschlossen werden, wobei dreimal sogar die Meisterschaft gewonnen wurde. Direkt in der ersten Saison unter seiner Regie wurde die Liga dominiert und der Pott konnte in die Luft gehoben werden. Im Jahr 2004 haben es die „Gunners“ (Spitzname von Arsenal) geschafft in einer kompletten Spielrunde ohne Niederlage zu bleiben und wurden im europäischen Fußball als das Non plus ultra angesehen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden viele Spieler für verhältnismäßig wenig Geld verpflichtet, die eingeschlagen sind wie eine Bombe. Mit Einkäufen wie Patrick Viera (5,35 Mio. Euro), Frederik Ljungberg (4,50 Mio.), Thierry Henry (16,10 Mio.), Robert Pirès (9,80 Mio.), Kolo Touré (185 Tsd.), Cesc Fabregas (3,20 Mio.), Robin van Persie (4,50 Mio.) wurden größtenteils junge Spieler gekauft, die in London zu richtigen Leistungsträgern und Weltstars unter Wenger gereift sind. Die Transferpolitik war atemberaubend gut, wie das Beispiel Kolo Touré zeigt. Vom ASEC Mimosas, einem Erstligaklub aus der Elfenbeinküste, verpflichtet, wurde dieser sieben Jahre später für 18,70 Mio. Euro zu Manchester City verkauft.

(Dazu gibt es unter dem Artikel eine Übersicht mit Spielern, die der Verein verpflichtet hat, welche entweder zu richtigen Weltstars wurden in ihrer Zeit in London oder die für wenig Geld gekauft und später für ein Vielfaches wiederverkauft wurden) Etliche Spieler haben sich als Wahnsinn-Transfer bewahrheitet und erreichten in London Legendenstatus. Der bekannteste aus dieser Zeit ist wohl der ehemalige französische Nationalspieler Thierry Henry. Er hat unter Wenger 368 Spiele gemacht, 226 Tore erzielt und weitere 67 Vorlagen gegeben. Ab der Saison 2005/06 wurde es etwas ruhiger um den Verein. Es konnte sich weiterhin jedes Mal für die Champions-Leauge qualifiziert werden (das haben weder Real Madrid noch der FC Barcelona geschafft), was eine unglaubliche Leistung ist, aber so wirklich erfolgreich in der Meisterschaft war London nicht mehr. Neun Jahre pendelte das Team zwischen dem dritten und vierten Tabellenplatz hin und her, ohne einen Titel zu holen. Erst in der letzten Saison wurde sich wieder der zweite Tabellenplatz gesichert.

Die Gründe hinter der Titellosigkeit lassen sich nur vermuten. Einer könnte der Bau des Emirates Stadion sein, welches 2006 eröffnet wurde, dass mit etwa 600 Millionen Euro Gesamtkosten, hinter dem Wembley Stadion (Kosten 1,2 Milliarden Euro) das teuerste Stadion in der englischen Premier Leauge war. Verbunden mit den hohen Kosten des Stadionbaus wurde verpasst in die Mannschaft zu investieren. Das ist ein Punkt der Wenger öfters vorgeworfen wurde. Denn wer in der Premiere League Trainer ist, ist gleichzeitig auch der Sportdirektor und trifft damit alle wichtigen Entscheidungen rund um die Transfers. Von 2006 bis 2014 wurde ein Transferüberschuss von 54,43 Mio. Euro erzielt.    (Manchester City hat im Gegensatz dazu in der gleichen Zeit ein Transferdefizit von 605,85 (!) Mio. Euro erzielt.) Trotzdem wurden in dieser Zeit auch wieder starke Verpflichtungen getätigt, es haben aber Spieler gefehlt die dieser Zeit ihren eigenen Stempel aufgedrückt haben und den Unterschied zwischen einer sehr guten – zu einer herausragenden Mannschaft ausgemacht haben.

Wo die Kritiker jetzt aber ihre Angriffspunkte sehen ist, dass in den letzten vier Jahren ein Transferdefizit von 254,53 Mio. gemacht wurde. Für Arsenal-Verhältnisse ein riesiger Batzen Geld, dafür, dass auch in diesen vier Jahren keine Meisterschaft gewonnen werden konnte. Außer dem englischen Pokal, der 2013/14 und im Jahr darauf gewonnen wurde, konnten in den letzten Jahren auch in der Champions-Leauge keine größeren Erfolge eingefahren werden.
In der letzten Saison wurden die Stimmen der Kritiker lauter, da nach langer Zeit wieder eine Hand an der Meisterschale war, weil zwischendurch lange auf Platz eins gestanden wurde, im Endspurt der Meisterschafft aber dann doch die Puste ausging, der Erzrivale Tottenham Hotspur vorbeigezogen war und Leicester uneinholbar vorne lag. Am Ende wurde die Saison zum Glück als Tabellenzweiter und gleichzeitig vor dem riesengroßen Rivalen beendet (noch nie hat Tottenham in der Meisterschaft vor London abgeschlossen). Auch dieses Jahr ist Arsenal im Spitzenteam der Liga vertreten. Ob aber diesmal die Spieler in der Lage sind nach einer langen Zeit die lang ersehnte Meisterschaft feiern, werden wir dann am Ende der Saison sehen. Da der Vertrag von Wenger am Ende der Saison ausläuft und noch nicht entschieden ist ob dieser verlängert wird, beziehungsweise ob Wenger diesen verlängert, könnte es eventuell das letzte Jahr des 67-Jahre alten Fußballlehrers sein. Ein Titel wäre sicherlich ein perfektes Ende einer über 20-jährigen Beziehung zwischen ihm und London. Ob Wenger unter dem Strich in seiner Zeit erfolgreich war oder nicht lässt sich mit Sicherheit nicht nur in Titel messen. Erfolg ist, in einem Verein wie London, über zwei Jahrzehnte konstante Leistung abzurufen, ohne dafür allzu tief ins Portemonnaie zu greifen und dabei viele junge Spieler zu Legenden und Weltklassespieler zu formen, wobei es noch wichtiger ist, sich mit einem Verein so zu identifizieren und ins Herz zu schließen, dass man mehr als 20 Jahre für ihn arbeitet. Eins ist nämlich sicher: Hätte alle paar Jahre ein neuer Trainer die Mannschaft betreut, wie es in allen anderen Vereinen der Fall ist, dann wäre es nicht das Arsenal London, für das es sehr viele Fans heute lieben.

Übrigens ist die längste Vereinsbindung eines Trainers die von Guy Roux mit dem AJ Auxerre. Insgesamt 38 Jahre, elf Monate und 30 Tage, hat dieser mehr als die Hälfte seines Lebens für den französischen Verein gearbeitet. Ebenfalls Franzose und nur eine Stunde von Straßburg, dem Geburtsort Wengers, aufgewachsen hat er einige Gemeinsamkeiten mit Wenger, welcher es mit Sicherheit aber nicht schaffen wird den Rekordhalter noch einzuholen.

Name Alter Ablöse Abgebender Verein
Saison 1996/97
Patrick Viera 20 5,35 Mio. € AC Milan
Nicolas Anelka 17 760 Tsd. € Paris SG
Saison 1997/98
Emmanuel Petit 26 3,75 Mio. € AS Monaco
Marc Overmars 24 7,50 Mio. € Ajax Amsterdam
Saison 1998/99
Frederik Ljungberg 21 4,50 Mio. € Halmstads BK
Saison 1999/00
Thierry Henry 21 16,10 Mio. € Juventus Turin
Saison 2000/01
Robert Pirès 26 9,80 Mio. € Ol. Marseille
Saison 2001/02
Kolo Touré 20 185 Tsd. € ASEC Mimosas
Sol Campbell 26 Tottenham
Saison 2003/04
Cesc Fabregas 16 3,20 Mio. € Barca (Jugend)
Gaël Clichy 18 375 Tsd. € AS Cannes
Saison 2004/05
Robin van Persie 20 4,50 Mio. € Feyenoord
Mathieu Flamini 20 –                 Ol. Marseille
Saison 2005/06
Abou Diaby 19 3,00 Mio. AJ Auxerre
Theo Walcott 16 10,50 Mio.€ FC Southampton
Alex Song 17 4,00 Mio. € SC Bastia
Emmanuel Adebayor 21 10,00 Mio. € AS Monaco
Saison 2006/07
Tomás Rosicky 25 10,00 Mio. € BVB
Saison 2007/08
Lassana Diarra 22 2,90 Mio. € FC Chelsea
Bacary Sagna 24 9,00 Mio. € AJ Auxxere
Saison 2008/09
Aaron Ramsey 17 6,40 Mio. € Cardiff City
Samir Nasri 21 16,00 Mio. € Ol. Marseille
Saison 2009/10
Thomas Vermalen 23 12,00 Mio. € Ajax Amsterdam
Saison 2010/11
Laurent Koscielny 24 12,50 Mio. € FC Lorient
Saison 2011/12
Alex Oxlade- Chamberlain 17 13,80 Mio. € FS Southampton
Saison 2012/13
Olivier Giroud 25 12,00 Mio. € HSC Montpellier
Saison 2013/14
Mesut Özil 24 47,00 Mio € Real Madrid
Saison 2014/15
Alexis Sánchez 25 42,50 Mio.€ FC Barcelona

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