Das Handelsblatt und der Führungsstreit beim Finanzamt Wuppertal

… oder warum das Handelsblatt sich in Personalentscheidungen des FA Wuppertal einmischt

Wuppertal – Offensichtlich steht das Finanzamt Wuppertal gut mit der Medienwelt in Kontakt. Bereits am 19.01.2018 berichtete das Handelsblatt in seiner Wochenendausgabe auf Seite 28 vom Finanzamt Wuppertal und bedauerte in einem ganzseitigen Artikel, dass die beiden Top-Fahnder des Finanzamts Wuppertal Sandra Höfer-Grosjean und Volker Radermacher, die vormals unter dem berühmten Fahnder Peter Beckhoff gearbeitet haben, leider nicht die Leitung der Steuerfahndung Wuppertal übernommen konnten, sondern die FDP dies nach dem Regierungswechsel in NRW verhindert hätte.

Das Handelsblatt schreibt weiter: „Steuerjäger eingefangen. … Es übernahm eine Koalition aus CDU und FDP. Vor allem die Liberalen ließen schnell durchblicken, dass ihnen die Methoden der Wuppertaler nicht ganz geheuer waren.“

Recht hat die FDP: Aus Sicht eines Rechtsstaates sollten einem jede Methoden nicht ganz geheuer vorkommen, die selbst das Recht außer Acht lassen. Die Staatsmacht der Finanzbehörden kann leicht die Existenz eines Unternehmers vernichten. Eine überhöhte Steuerschätzung eine falsche Nicht-Berücksichtigung von echten Betriebsausgaben können verheerende Folgen für einen Steuerpflichtigen haben. Bezogen auf den Wechsel in der Führungsebene des Finanzamtes Wuppertal schreibt das Handelsblatt weiter: Statt dessen seien die beiden Top-Fahnder Sandra Höfer-Grosjean und Volker Radermacher zu Deloitte Legal einem der Top-Four-Prüfungsgesellschaften gewechselt.

Nachfolgend wird vom Handelsblatt der neue Chef des Finanzamtes für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung Wuppertal Michael Schneiderwind durch den verbalen Kakao gezogen in dem das Handelsblatt feststellt: Steuersünder dürfen sich freuen.

Damit suggeriert das Handelsblatt, dass Herr Schneiderwind seinem neuen Job nicht gewachsen ist. Dann wird weiter betont: Mit Sandra Höfer-Grosjean und Volker Radermacher verliert Wuppertal mehr als 40 Jahre an hochprofessioneller Steuerfahndung. Dies soll den Eindruck erwecken als sei diese jetzt beim Finanzamt Wuppertal nicht mehr vorhanden. Dabei ist dies absolut nicht der Fall. Herr Schneiderwind ist hoch qualifiziert und hat viele Jahre in der Oberfinanzdirektion gearbeitet.

Es erscheint sehr befremdlich, dass das Handelsblatt in einer solch sensiblen Personalie Beihilfe leistet zu einer persönlichen öffentlichen Abrechnung mit dem neuen Chef Michael Schneiderwind und diesen massiv beleidigt. Es fragt sich, warum sich das renommierte Handelsblatt so vor den Karren spannen lässt. Es darf über die Hintergründe, die sehr interessant zu sein scheinen, nur spekuliert werden. Intrigen? Möchte das Handelsblatt Werbung für Deloitte Legal machen? Hat das Handelsblatt mit Herrn Schneiderwind ein Problem? Steht das Handelsblatt den Top-Fahnder Sandra Höfer-Grosjean und Volker Radermacher nahe? Wie auch immer: Ein sehr befremdlicher Artikel in einer ansonsten erstklassigen Wirtschaftszeitung.

Es bleibt zu hoffen, dass das Finanzamt Wuppertal sich nach dem spektakulären Personalwechsel den Ruf des schärfsten Finanzamtes Deutschlands (Handelsblatt: wohl namhaftesten Steuerfahndung Deutschlands) nicht auf anderen Wegen zu sichern versucht. Am Ende muss jede Staatsmacht den Rechtsstaat repräsentieren.

Redakteur