Kinofilm „The End of Meat“ – „Das Ende des Fleischessens“

 

Eine Welt ohne Grillwürstchen, Eier und Wollsocken?… In der sehenswerten Dokumentation, „The End of Meat“, die derzeit in ausgewählten Kinos läuft, beschäftigt sich der Regisseur Marc Pierschel mit der Frage, wie eine vegane Welt aussehen könnte. Hierzu untersucht er die Gründe für Fleischkonsum und seine Auswirkungen auf Umwelt, Gesundheit und die globale Ungleichheit. Außerdem hinterfragt er aktuelle Entwicklungen in der Forschung und stellt Überlegungen aus der Tierethik vor: Wovon, wenn nicht von Fleisch, können sich 7,55 Mrd. Menschen ernähren? Ist die Produktion von Kunstfleisch möglich und sinnvoll? Ist es zulässig, den Interessen und Anliegen der Menschen den Vorzug vor denen der Tiere zu geben? Eine radikale Version ohne Fleisch?

Nach einer Hochrechnung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen wurden 2012 300.000.000 t Fleisch weltweit produziert. In 2050 sollen es 455.000.000 t Fleisch sein. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hat Zahlen vorgelegt, wonach der Fleischkonsum in Deutschland im Jahr 2016 rund 60 kg pro Person betrug. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2016 in Deutschlands Schlachthöfen 8.250.000 t Fleisch erzeugt.

Eine radikale Vision… doch mit dem Verzicht auf Fleisch ist das so eine Sache. Die meisten Verbraucher in Deutschland wissen oder können sich leicht informieren, unter welchen Bedingungen Fleisch in Tierfabriken hergestellt wird. Laut einer Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale fanden 68 Prozent das Thema Tierschutz in der Landwirtschaft wichtig oder sehr wichtig. Aber wer ist schon bereit, seinen Fleischkonsum wenigstens zu reduzieren? Oder tatsächlich einen deutlich höheren Preis für Fleisch aus artgerechter Haltung zu bezahlen? Trotz kritischer Dokumentationen drücken sich Politik und Bürger um die Antwort, was in der Fleischproduktion noch hinnehmbar ist, teilweise mit scheinheiligen Argumenten.

Im „Nachtcafe“ vom 13.10.2017 plädiert der FDP-Politiker Frank Schäffler für den mündigen Bürger, dessen Rechte und Freiheiten nicht durch Vorschriften eingeschränkt werden sollten. Seiner Meinung nach soll jeder die Möglichkeit haben, sich auch für Billigfleisch entscheiden zu können! So kann die Politik das Geschäftsmodell einer Branche schützen und ganz bequem die Verantwortung von sich schieben. Die Tatsache, dass viele sich Nachhaltigkeit aufgrund eines zu geringen Einkommens nicht leisten können, wird als Rechtfertigung für Dumpingpreise benutzt. Das Ziel sollte jedoch sein, echte Wahlfreiheit für alle zu ermöglichen.

Auch ökologische Aspekte werden vorgeschoben, wie das Beispiel der „Fistelkühe“ an der Universität Stuttgart Hohenheim zeigt. Die Kuh, die bei der Umwandlung von Gras zu Milch naturgemäß umweltschädliches Methan produziert, wird zum Klimakiller erklärt. Um die Methanentwicklung im Magen zu erforschen, bekommen die Kühe ein Loch im Bauch, das mit einem Stöpsel aus Kunststoff („Fistel“) verschlossen ist. Ziel des Forschungsprojektes ist die Reduzierung des Methans … selbstverständlich für das Klima. Der Lösungsvorschlag lautet nicht weniger Fleisch und artgerechte Haltung, sondern Manipulation der Kuh.

In Artikel 20a Grundgesetz heißt es „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“ Die Politik sollte sich ihrer Verantwortung wieder stärker bewusst werden und einen Wandel in der Agrarwirtschaft vorantreiben. Eine umweltverträglichere und auf ethischen Grundsätzen basierende Produktion sollte durch zielgerichtete Förderprogramme belohnt werden. Die Landwirte sollten die Möglichkeit haben weniger, aber bessere Qualität zu produzieren, um nicht um ihre Existenz fürchten zu müssen. Dafür sind entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten erforderlich.

Wir Bürger müssten uns mehr dafür interessieren, welche Auswirkungen unsere Lebensweise für andere hat. Wir müssten mehr Bereitschaft zum Verzicht zu Gunsten des Ganzen entwickeln und von der Haltung wegkommen, dass alles nach unserem Belieben genutzt und verbraucht werden kann. Gerechtigkeit muss nicht das Gegenteil von Freiheit sein. Die von Marc Pierschel entworfene Vision ist vielleicht zu extrem, aber die Entwicklung zu mehr Achtung allen Lebewesen gegenüber ist auf jeden Fall erstrebenswert. Dabei kann jeder bei sich anfangen.

 

 

 

 

 

 

 

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