milchbauern

Landwirtschaft in Europa … Milchpreise in Deutschland

… unser Glas Milch am Morgen oder warum die Deutsche Bundesregierung die Bauern im Stich lässt

Volkspost – Global Strategies – Berlin – Ein gutes Glas Milch am Morgen. Milch im Kaffee. Milch im Müsli. Milch im Kakao. Die Deutschen lieben Milch. Die Deutschen haben im Jahr 2015 im Durchschnitt 52 Liter Milch getrunken und 17 Kilo Joghurt gegessen. Der Käseverbrauch liegt bei 25 kg pro Person pro Jahr, Tendenz steigend.  Zur Zeit liefern über 4 Millionen Milchkühe in insgesamt 69.174 Betrieben in Deutschland über 32 Milliarden Liter Milch pro Jahr. Im Schnitt liefert jede Kuh 7.628 kg Milch pro Jahr. Damit könnte man 8200 olympische Schwimmbecken füllen.

Beim Milchpreis wird grundsätzlich zwischen Erzeugerpreis und dem Verbraucherpreis unterschieden. Der Erzeugerpreis  ist der Betrag, den die Molkereien an die Milcherzeuger (Bauern) zahlen und der Verbraucherpreis ist der Betrag, den die Endverbraucher für die Milch im Supermarkt entrichten. Die Milchpreise hängen stark von politischen Entscheidungen ab.

Aktuell setzt sich der Milchpreis in Cent pro Liter wie folgt zusammen:

¬    Rohmilcherzeugerpreis bei 3,5 % fett:                 23,1 bis 29,0 Cent
¬    Erfassungskosten:                                               1,4 Cent
¬    Produktionskosten der Molkerei (Energie, Wasser, Reinigung, Personal, Produktion,Abfüllanlagen)     8,0 Cent
¬    Verwaltung und Molkereigewinn                          0,5 Cent
¬    Kartonverpackung inkl. Umverpackung                8,5 Cent
¬    Lagerhaltung und Logistik                                    2,0 Cent
¬    Grüner Punkt                                                        1,6 Cent
¬    Kosten und Marge Einzelhandel                           6,0 bis 30 Cent
¬    Umsatzsteuer                                                       4,0 bis  6,3 Cent

Gesamtpreis: 46 bis 90 Cent pro Liter Milch

Seit die Milchquote EU-weit abgeschafft wurde, produzieren die deutschen Milchbauern am Limit. Das lässt die Milchpreise dramatisch fallen. Nun fordert der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) Ausgleichszahlung für Bauern, die die Menge reduzieren, um den Milchpreis stabil zu halten.  Für jeden Liter nicht produzierte Milch müsste es 0,30 € Cent Entschädigung geben, fordern die Milchbauern.  Nötig sei hier eine flächendeckende Lösung, und zwar mit Hilfe des Staates, die Branche alleine kann es nicht. Laut EU-Kommission betrage die Überproduktion derzeit mindestens 3 %. Die 0,30 € Entschädigung für nicht produzierte Milch könnten entweder die Molkereien auszahlen oder die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

Knapp 1/3 der Milchbauern haben im Januar 2017 die sogenannte Milchsonderbeihilfe beantragt. Dabei soll es sich um eine Förderung von 1 Cent/Kg (Milch) handeln. Klingt wie ein Tropfen auf einen heißen Stein.

DBV Milchbauern-Präsident Schmal zog folgendes Fazit: „Es bedarf künftig einer besseren Abstimmung zwischen Landwirten und Molkereien zu Preisen und Laufzeit sowie Lieferübereinkünften. Landwirte sollen praktikable Möglichkeiten zur Preisabsicherung erhalten.“ Diese Aussagen klingen angesichts der Probleme der Milchbauern etwas nichtssagend.

Die Politik bietet aktuell ca. 80 Millionen Euro als Zuschüsse zur Versicherung und ein Programm für Kreditbürgschaften in Höhe von Euro 150 Millionen Euro an; dazu Freibeträge als steuerliche Hilfen für die Tilgung von Krediten. Vielleicht gut gemeint, aber völlig sinnfrei und am Problem vorbei. Was die deutschen Milchbauern und Bauern brauchen ist eine gleichberechtigte Organisation des Absatzmarktes. Solange 70.000 Milchbauern einer oder zwei Supermarktketten gegenüberstehen, ist die Schlacht bereits verloren. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU scheint dem Handel wesentlich näher zu stehen als den Bauern. Leider steht die SPD über den Ex-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel der Wirtschaft auch näher als den Milchbauern. Gabriel hatte per Ministerentscheidung ein Fusionsverbot des Bundeskartellamts zwischen Edeka und Tengelmann aufgehoben. Wirtschaftlich unsinnig, aber wählerwirksam. Zugleich eine Schwächung der Landwirte.

milchautomatAus der Miserie der Milchbauern hat sich ein interessantes Geschäftsmodell entwickelt. Der Milchautomat.  Einige Unternehmen bieten das Aufstellen von Milchautomaten neben Supermarktketten an. Sie werben die Milchbauern mit folgenden Worten: „Sie möchten ihre Milch nicht länger verschenken? Mit unserem Profimilch-Automaten können Sie Ihre Milch nun selbst vermarkten. Verkaufen Sie Ihre Milch in großen Mengen dort wo potentielle Kunden einkaufen. Direkt vor dem Supermarkt, Bäckerei, Metzgerei, WTC. Nur wenn es für den Kunden einfach und bequem ist, ihre frische Milch zu kaufen, können Sie große Mengen direkt vermarkten. Der Weg zum Milchautomaten auf dem Bauernhof ist für viele Konsumenten zu lange und unbequem. Verkaufen Sie mit unserem Milchautomaten ihre Milch direkt in der Stadt.“

Eine gute Idee und eine gute Lösung in die richtige Richtung. Es muss jedoch eine generelle Lösung her. Es kann nicht sein, dass die Milchbauern und die Landwirtschaft generell einem existenzvernichtenden Preiskampf ausgeliefert ist, ohne von der Politik geschützt zu werden. Während wir bei den Lebensmittelmärkten fast im Monopol angekommen sind, treibt die polypole Struktur der Bauern diese in die Krise. Da helfen auch viele singuläre Genossenschaftsverkaufsmodelle nur wenig.

Ein Liter Milch sollte auf jeden Fall einen Euro oder mehr kosten. Davon sollten die Milchbauern mindestens 35 bis 45 Cent erhalten. Dieser Preis könnte durch ein oder zwei gemeinsame Vermarktungsgesellschaften umgesetzt werden; zum Beispiel AMIG Süd und AMIG Nord (AMI = Allgemeine Milchverkaufsgenossenschaft). So gäbe es nicht nur Namensparallelen, sondern auch einen fairen Wettbewerb.
So bleibt uns das gute Glas Milch am Morgen erhalten und der Bauer kann sein Auto auch ohne staatliche Kredithilfen kaufen.

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Redakteur

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