blutgerinnung

Licht und Schatten bei neuen Blutverdünnern am Beispiel von Xarelto®

Blutverdünner spielen in der Medizin eine berechtigte große Rolle wenn es um Prophylaxe oder Therapie von Herzinfarkten, Gefäßverschlüssen oder Schlaganfällen geht. Wie jedes Medikament haben auch Vertreter dieser Wirkstoff-Gruppe ihre Nebenwirkungen die aber vielen Menschen nicht bekannt sind.

Bei der Vielzahl der auf dem Markt existierenden Gerinnungshemmern(Antikoagulanzien) obliegt es dem Arzt, das für den Patienten ideale Präparat individuell auszuwählen. Die besondere Herausforderung hierbei liegt in der Dosierung und der Abschätzung von unerwünschten Nebenwirkungen die auftreten könnten. Das bekannteste Vertreter unter den Gerinnungshemmern ist der unter dem Handelsnamen Marcumar® bekannte Wirkstoff Phenprocoumon. Problem hierbei: der Blutspiegel des Medikamentes darf eine bestimmte Bandbreite weder unter- noch überschreiten. Denn ist der Patient unterdosiert besteht erhöhte Gefahr beispielsweise für die Ausbildung einer tiefen Venenthrombose sowie eines Schlaganfalles oder einer Lungenembolie. Bei Überdosierung drohen innere Blutungen oder massive Blutergüsse selbst bei banalsten Prellungen. Daher sind bei der Marcumar®-Therapie engmaschige und regelmässige Bestimmungen des Blutspiegels unentbehrlich.

Umso grösser war die Freude als 2008 ein unter dem Handelsnamen Xarelto® eingeführter neuer Wirkstoff Rivaroxaban auf den Markt kam. Dieses Medikament wirkt gezielter auf die Gerinnung als beispielsweise das Marcumar®, regelmässige Blutkontrollen wurden überflüssig. Allerdings trat eine Ernüchterung im Jahre 2013 ein als seitens des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte eine steigende Zahl von Verdachtsfällen registriert wurde bei denen man einen Zusammenhang zwischen Xarelto® und unerwünschten Wirkungen mit Todesfolgen bei Patienten vermutete. Das Bundesamt erkannte allerdings keinen sicheren Beweis für diese Annahme. Die amerikanische Aufsichtsbehörde Food and Drug Administration (FDA) kam zudem bereits im Jahre 2009 zu dem Ergebnis, dass die neuen Blutverdünner wie Xarelto® therapeutisch keine zusätzlichen Vorteile im Vergleich zu den älteren (z.B. Marcumar®) erbrächten. Die Prophylaxe von Schlaganfällen wären bei Blutverdünnern der neueren Generation nicht effizienter als bei den deutlich kostengünstigeren älteren Präparaten. Aufgrund dieser unsicheren Erkenntnislage gab Bayer als Hersteller von Xarelto® eine Studie in Auftrag, bei der unter 23.000 Patienten mit nicht- valvulärem Vorhofflimmern die Vor- und Nachteile des Xarelto® gegenüber dem Marcumar® verglichen wurden.

Die im April 2016 von Bayer veröffentlichten Ergebnisse kamen zu folgendem Schluss:

Xarelto® zeigte um 47% reduzierte Raten an intrakraniellen Blutungen (Hirnblutungen) im Vergleich zum Marcumar®.

Unter der Therapie mit Xarelto® wiesen die Patienten 29% weniger Schlaganfälle in Folge von verstopften Blutgefässen des Gehirnes (sogenannte ischämische Schlaganfälle) als bei den Marcumar®- Patienten auf.

Nach dieser Studienlage steht das Xarelto® nicht nur wieder im deutlich besseren Licht als noch vor wenigen Jahren. Es stellt nun auch noch die Existenzberechtigung der Blutverdünner der älteren Generationen streckenweise in Frage.
Es ist somit davon auszugehen, dass weitere Studien folgen werden bis definitive Richtlinien vorliegen die genau festlegen wann und bei welchen Patienten das ein oder andere Medikament angewendet werden darf und bei welchem nicht.

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