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Die Tagesschau berichtete unter anderem am 09.06.2016 (www.tagesschau.de) von einer „Liste der Schande“ von der UN unter dem Aufhänger „Erpressung durch Saudi-Arabien“.

Hintergrund ist, dass Riad wohl massiven Druck auf die UN ausgeübt hat, Saudi-Arabien von der Liste der Schande wieder zu streichen. Darüber regt sich dann die „Tagesschau“ auf. Ban Ki Moon, der UN-Generalsekretär soll sich durch Saudi-Arabien erpresst gefühlt haben. Interessant ist bei der Diskussion aber nicht so sehr das Verhalten von Saudi-Arabien, sondern eher der Umstand, dass es eine „Liste der Schande“ gibt. Wer erstellt eine solche Liste und nach welchen Kriterien wird ein Staat oder eine Organisation auf diese Liste gesetzt. Steht Deutschland auch darauf? Eher nicht. Wir zeigen ja gerne mit dem Finger auf andere Länder.

Ist es keine Schande, dass wir 3 Millionen Kinder in Armut leben lassen? Ist es keine Schande, dass man bei uns ganz legal Frauen im Flatrate-Tarif „gebrauchen“ darf und dafür in bekannten Tageszeitungen werben darf? Ist es keine Schande, dass wir tödliche Waffen exportieren? Ist es keine Schande, dass wir mit faulen und teuren Deals unsere Flüchtlingsprobleme in andere Länder exportieren mit weitreichenden Konsequenzen? Ist es keine Schande, dass in Deutschen Gerichten Zeugenaussagen weitgehend nicht protokolliert werden und damit Fehlentscheidungen Tür und Tor geöffnet wird? Ist es keine Schande, wenn im Postgewerbe die Transportfahrten auf „Subunternehmer“ ausgelagert werden, die dann ihre Fahrer bei Wasser und Brot im Auto schlafen lassen. Eine „Liste der Schande“ zu führen, ist reine Propaganda und lenkt wunderschön von den eigenen Unzulänglichkeiten ab.

Immer erst vor der eigenen Tür kehren, damit haben wir genug zu tun.

Redakteur