#MeToo – Sexuelle Belästigung im Alltag

… #MeToo der längst überfällige Dammbruch des Schweigens

Auf der ganzen Welt herrscht Sexismus: Unter #MeToo berichten Millionen Frauen seit einigen Tagen von sexueller Belästigung im Alltag. Auslöser ist der Fall „Weinstein“. Der amerikanische Star-Regisseur Harvey Weinstein hat offenbar über Jahre aus seiner Position der Macht heraus Frauen sexuell missbraucht. Darüber berichten viele Schauspielerinnen wie z. B. die Ex-Freundin von Quentin Tarantino Mira Sorvino, Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow. Zudem liegen bereits 6 Anzeigen wegen Vergewaltigung vor. Offenbar wollte Die letzte Strafanzeige wurde bei der Polizei von Los Angeles aufgegeben. Die Oscar Akademie hat Weinstein bereits ausgeschlossen.

Die amerikanische Schauspielerin Alyssa Milano wollte über den Hashtag #MeToo bei Twitter ein Zeichen der Solidarität mit allen Opfern von sexueller Gewalt setzen. Es war dann die  schwedische Außenministerin Margot Wallenstein die in diesem Kontext ebenfalls die Worte „Me too“ geschrieben hatten und alle betroffenen Frauen wussten was gemeint war. Die Geschichten sprudeln seitdem im Internet nur so hervor. Prominente, Politikerinnen, Schauspielerinnen, Sportlerinnen alle haben ihre ganz persönlichen Erfahrungen gemacht.

Radiosender führen Interviews und geben Ratschläge, was in solchen Momenten zu tun sei. Die Debatten sind nicht neu nur diesmal wird die Debatte im Internet geführt. Breiter. Jede Betroffene kann sich äußern. Jede Betroffene findet Gehör. Das ist gut so. Die Diskussion über ein Dauerphänomen „Sexuelle Belästigung“ muss geführt werden. Alleine die Diskussion führt zu einer Besserung. Betroffene Frauen fühlen sich nicht mehr alleine und bekommen Mut durch das Gefühl in einer Gemeinschaft von Betroffenen zu stehen. Auf der „Täterseite“ wächst die Erkenntnis, dass das ein oder andere Verhalten als „anzüglich“ oder sogar als „strafbar“ gewertet werden muss. Das Verhalten kann nicht mehr unerkannt gehalten werden. Das Verhalten wird offengelegt. Das Problem ist dabei die Vielschichtigkeit der Anzüglichkeiten und Übergriffe. Rainer Brüderle erlangte in diesem Kontext neue Publicity als er eine Reporterin durch eine Dirndlbemerkung belästigt hatte. Der US-Präsident Donald Trump fiel durch die „Grap-the-pussy-Bemerkung“ auf. Die CDU Politikerin Jenna Behrends fühlte sich beleidigt als sie von dem damaligen Berliner Innensenator als „große süße Maus“ bezeichnet wurde. Dagegen sind die „Belästigungen“ in der berühmten Kölner Silvesternacht 2015/2016 handfeste Straftaten und pure Gewalt. Diese Beispiele zeigen, dass die Spannbreite der sexuellen Belästigung sehr breit ist. Von einem tendenziösen Witz bis zur sexuellen Gewalt ist jeder Form vertreten. Oft wird auch bereits ein Kompliment über die Kleidung als sexuelle Abwertung empfunden. In diesen Bemerkungen wird etwas Abschätziges ausgemacht. Eine Art Bewertung findet statt. Die SPD Politikerinnen Andrea Nahles und Katarina Barley berichten in der „#MeToo-Debatte“ über Sexismus in der Politik. Eine Umarmung beim Gruppenfoto fester und länger als erforderlich oder schlicht ein „Nicht-Ernst-Genommen-Werden-als-Frau“. Eine junge Geschäftsführerin eines Unternehmens berichtete, dass sie beim Termin bei der Bank mit einem älteren Kollegen vom Bankangestellten offen als „Strohfrau“ bezeichnet und der ältere Kollege als ihr Chef eingestuft wurde. Eine junge Managerin hat ihre Kollegen zum Essen eingeladen was der Kellner mit der Frage kommentierte, ob einer der Herren ihr das Portmonee gegeben hätte oder sie das Geld vorher unter dem Tisch abgearbeitet hätte. Diese Beispiele von Sexismus lassen sich beliebig verlängern.

#MeToo lädt jede betroffene Frau ein, ihre persönlichen Empfindungen aus einer Situation mitzuteilen. Oft entscheidet auch der Kontext, ob eine Bemerkung als positiv oder sexistisch angesehen wird. „Dein Rock sieht aber gut aus“ mag vom Partner anders aufgenommen werden, als vom Arbeitskollegen. #MeToo schafft eine neue Diskussionskultur, die erstmal positiv ist gleich ob es sich um eine Anzüglichkeit oder um einen schweren Übergriff handelt.

#MeToo ist der längst überfällige Dammbruch des Schweigens und kann daher nachhaltig zu einem besseren sozialen Zusammenleben führen.

Redakteur

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