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RB Leipzig – Mehr als eine Getränkedose

Die Geschichte hinter des steilen Aufstiegs von RB Leipzig

Vereinsgründung 2009 und jetzt Spitzenreiter der Bundesliga. Wie konnte es zu solch einer Entwicklung kommen? Wir möchten das Phänomen RB Leipzig erklären. Dafür möchten wir Sie zuerst, in chronologischer Reihenfolge, durch die einzelnen Spielzeiten, seit der Gründung führen, damit sie die Zusammenhänge und Hintergründe besser einordnen können.

 

Vereinsgründung (2009)

Nachdem 2005 die Red Bull GmbH die Anteile des österreichischen Fußballvereins SV Austria Salzburg zu 100% übernommen hat, hat man zur Verbesserung der Vermarktung seines Produktes, ein vergleichbares Projekt im deutschen Fußball gesucht. Aus dem Grund baute man sich Kontakt zu den Fußballvereinen: FC St. Pauli, TSV 1860 München und Fortuna Düsseldorf auf. Damit die Red Bull GmbH Investitionen tätigt, forderten sie eine Anteilsmehrheit, eine Änderung des Vereinsnamens, des Vereinswappens und der Vereinsfarben. Da alle drei Vereine den Forderungen nicht zustimmten, nahm Red Bull den Osten Deutschlands in Betracht und legte den Fokus auf Leipzig.

Da die Ligen unterhalb der Regionalliga keine DFB-Lizenzierungsverfahren unterliegen, wurde am 19. Mai 2009 der eigenständige Verein RB Leipzig gegründet. Dafür wurden die ersten drei Seniorenteams vom SSV Markranstädt übernommen. Die 1. Mannschaft ging in der Oberliga an den Start. Es wurden außerdem die ersten Mannschaften der vier ältesten Jugendmannschaften übernommen.

 

Wie sahen die einzelnen Spielzeiten aus?

Oberliga 2009-2010

In die Oberliga-Saison ging man ohne Vereinslogo, da die Ähnlichkeit zum Red-Bull Unternehmenslogo zu groß war und nicht genehmigt wurde. Vor ihrer ersten Saison, holte sich der neu gegründete Verein, insgesamt 15 neue Spieler und elf Spieler wurden vom SSV Markranstädt übernommen.

Die Saison verlief fußballerisch fantastisch, die Folge war der Aufstieg, der bereits am 25. Spieltag gesichert werden konnte. 80 Punkte in 30 Spielen standen auf ihrem Konto, mit einer Tordifferenz von +57. Trotzdem wurde einen Tag nach dem letzten Spieltag, in Person von Dietmar Beiersdorfer, bekannt gegeben, dass der Aufstiegstrainer Tino Vogel mit seinem Gespann und der Sportdirektor Joachim Krug, von ihren Aufgaben entbunden werden. Der Grund war eine Strategieänderung, erklärte Red-Bull-Geschäftsführer Dietrich Mateschitz.

 

Regionalliga (2010–2013)

Mit Thomas Oral als neuen Trainer ging es in die erste Regionalliga-Saison. Nicht nur der Trainer war neu, sondern auch der Umzug in die Red Bull Arena (bis Juni 2010 offiziell Zentralstadion) mit knapp 44.000 Plätzen.

Da aber in der ersten Saison mit dem vierten Platz der Aufstieg verpasst wurde, wurde schon im Verlauf der Rückrunde Peter Pacult als Trainer für die neue Saison bekanntgegeben. Von den Spielern aus der Oberligasaison sind in der Saison 2011/2012 sind lediglich drei Spieler in der Profimannschaft verblieben. Aber auch hier wurde der Aufstieg, mit einem Unentschieden am vorletzten Spieltag gegen VfL Wolfsburg II, erneut verpasst.

Im Winter der Saison 2012/13 wurde Ralf Rangnick  als neuer Sportdirektor in Leipzig und in Salzburg vorgestellt. Zusammen mit seinem Amtsantritt ersetzte er den bisherigen Trainer Peter Pacult durch Alexander Zorniger. Am Ende der Saison hat man im dritten Anlauf endlich geschafft in die dritte Liga aufzusteigen.

 

3. Liga (2013–2014)

Die 3. Liga hatte im Gegensatz zur Regionalliga eine sehr kurze Verweildauer. Innerhalb des ersten Jahres schaffte man als Tabellenerster den Aufstieg. In der Saison wurde wieder kräftig eingekauft. Mit insgesamt elf Neuzugängen im Sommer und vier Neuzugängen im Winter konnte die Meisterschaft gefeiert werden.

2. Bundesliga (2014–2016)

Die Lizenz sollte RB nur bekommen, wenn:

  1. Man sollte sich durch eine deutliche Senkung des Mitgliedsbeitrags (bisher 800 Euro jährlich), für neue Mitglieder öffnen.
  2. In der Vereinsführung keine Mehrheit von Red-Bull-Funktionären mehr zulässt.
  3. Das Vereinslogo nach den Vorgaben der DFL vom Red-Bull-Unternehmenslogo abgrenzt.

Nachdem Beschwerde eingereicht wurde einigte man sich folgendermaßen:

Zum einen wurde das Wappen leicht verändert um sich weiter vom Red-Bull-Logo abzugrenzen, zum anderen mit der Besetzung der Führungspositionen mit vom Hauptsponsor unabhängigen Personen.

Da RB den sportlichen Erwartungen hinterherhing, der Trainer wieder entlassen wurde und Wunschtrainer wie Thomas Tuchel abgesagt hatten, übernahm Sportdirektor Ralf Rangnick selber den Cheftrainerposten zur Saison 2015/16. Mit Ausgaben von 18,6 Millionen Euro für neue Spieler, wurde so viel wie noch nie so viel für eine Zweitligamannschaft für Transfers ausgegeben. Nur zum Vergleich: Die Roten Bullenhaben mehr ausgegeben als der Rest der Liga zusammen.

In diesem Jahr konnte als Tabellenzweiter, hinter dem SC Freiburg, der direkte Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse gefeiert werden.

Bundesliga (seit 2016)

Zur ersten Bundesliga-Saison wurde mit Ralph Hasenhüttl wieder ein neuer Trainer eingestellt. Auch hier wurden wieder zehn neue Spieler geholt, die zusammen 50.000.000 Euro gekostet haben, darunter auch wieder vier Spieler aus RB Salzburg, aber dazu später mehr.

Ein Rekord nach dem andern wird in dieser Spielzeit aufgestellt. Zum jetzigen Zeitpunkt steht RB dank des Sieges gegen Bayer Leverkusen auf dem 1. Platz der Bundesliga. Noch nie war ein Aufsteiger von den Punkten her so gut wie RB im Moment.

 

Das Konzept von RB Leipzig

Die Spielertransfers sehen auf den ersten Blick etwas wirr und durcheinander aus, in Wahrheit ist alles an ein Konzept gebunden. Für die Zukunft wurden von Rangnick folgende Ziele in der Transferpolitik gesetzt: „Je jünger desto besser.“ Er möchte keinen Spieler verpflichten der älter als 28 Jahre ist. Für den Profibereich sind die Ziele immer Spieler zu holen die zwischen „17 und 23 Jahren alt“ sind.

Die Ausbildung der Talente beginnt schon in der U8 (F-Jugend). Es wird ausnahmslos in jeder Mannschaft nach einer klaren Philosophie, Fußball gespielt. Thomas Albeck, die rechte Hand von Rangnick, definiert die Philosophie folgendermaßen: „Schnelles Umschaltspiel mit der möglichst kürzesten Zeit zwischen Balleroberung und Torabschluss.“ Absolut jede Mannschaft, von ganz klein, bis in den Profibereich spielt nach dieser Idee Fußball. Von den Spielern die verpflichtet wurden, haben es zwar jetzt erst fünf Spieler, in die Lizenzmannschaft geschafft, dem werden aber noch einige folgen.

Die Spieler werden klar nach Voraussetzungen gesichtet. Nur wer über die Fähigkeiten Geschwindigkeit, Gewandtheit, schnelles Umschaltspiel und mentale Stärke verfügt hat die Chance sich bei RB durchzusetzen. Dass die Arbeit sich nicht sofort auszahlt, ist allen Beteiligten klar, es ist ein mittelfristig bis langfristiger Weg, bis die Früchte geerntet werden können.

 

Bei der Spielerauswahl hat RB ganz andere Möglichkeiten, als viele andere Bundesligisten. Wie bei dem Beispiel von Nicolas Kühn, der letztes Jahr von Hannover nach Leipzig gekommen ist. Martin Kind, Präsident von Hannover, macht Leipzig für die Verpflichtung keine Vorwürfe, sondern ganz im Gegenteil: „Das sind die Spielregeln dieses Marktes. Die zu kritisieren macht einfach keinen Sinn“, erklärt Kind. „Wir bedauern seine Entscheidung, aber dass Leipzig ihn als Talent entdeckt hat, spricht für das Scoutingsystem in Leipzig und das er gewechselt ist, zeigt schlicht, dass RB gut verhandelt hat.“

Nicolas Kühn ist dabei nur ein Beispiel von vielen. RB hat schlichtweg gute Argumente, auch schon Kindern, aus den Vereinen aus ganz Deutschland, eine gute Perspektive zu bieten. So werden schon den NLZs (Nachwuchsleistungszentren), aus allen Bundesländern, Anfragen für Spieler gemacht die gerade einmal in der Pubertät sind.

Viele Aspekte sprechen in dem Zusammenhang aber auch für RB. Ab welchem Alter lässt sich streiten, aber von den Trainingsmöglichkeiten gehören sie zu den Besten. Auf 92.000 Quadratmetern steht seit Sommer 2015 eines der modernsten Trainingsgelände aus Europa. 33.000.000 Euro kostete das Bullen-Reich. Dazu gehören unzählige Fußballplatze und ein hoch moderner Gebäudekomplex, in dem auch ein Internat ist.

Knapp 50 Spieler sind in dem Internat. Das Hauptziel beschriebt Thomas Albeck als „eine Berufsausbildung. Wir machen eine schulische Ausbildung wo wir sehr genau schauen, dass jeder einzelne Spieler auch einen guten schulischen Abschluss macht und aber vor allem den Beruf als Profifußballers entsprechend ergreifen kann.“

Das ganze Konzept ist so ausgelegt, dass irgendwann so wenig Spieler wie möglich dazugekauft werden müssen und alles mit dem eigenen Nachwuchs aufgefangen werden kann. Die ersten Erfolge der Arbeit werden schon sichtbar. Vor drei Jahren gab es noch keinen Jugendnationalspieler, jetzt sind es 28.

 

Wieso steht der Verein so in der Kritik?

Anhand der Historie des Vereins kann man schon ahnen, warum der Verein bei so vielen Fans aus der Bundesliga in der Kritik steht.

Schauen wir uns mal die Ausgaben, für Spielertransfers, seit der Gründung, etwas genauer an. Es wurden 103.100.000 Euro in neue Spieler investiert. Dagegen wurden nur in der Saison 2015/16 Transfereinnahmen, in Höhe von 1.900.000 Euro, erzielt. Also ein deftiges Minus in der Transferbilanz.

Was auch interessant ist, ist die Anzahl der Spieler die gekauft und verkauft wurden. Es haben sich sagenhafte 103(!) Spieler, in den vergangenen sieben Jahren dem RB Leipzig angeschlossen, dazu kommen noch 13 Spieler die in der ersten Saison vom SSV Markranstädt übernommen wurden. Von den 103 Spielern sind drei Spieler dabei die ausgeliehen wurden und fünf Spieler die den Sprung aus der zweiten Mannschaft geschafft haben. Seit der Saison 2011/12 kamen außerdem elf der Leipziger Neuzugänge vom Schwesternverein FC Red Bull Salzburg, was auch ein Punkt ist der viel Kritikpunkte mit sich bringt. Dagegen haben/ mussten 82 Spieler den Verein verlassen und weitere 20 Spieler wurden verliehen.

Ralph Hasenhüttl ist seit der Saison 2009 der insgesamt siebte Trainer, der die Mannschaft betreut hat. Trotz teilweise besten Punkteschnitts, mussten die Trainer den Verein verlassen.

Ein Retortenclub ohne Vereinshistorie. Das ist im Kern der Vorwurf. Aber ist dies eine gerechte Sicht im Profifussball? Sind andere Vereine nicht ähnlich strukturiert?

 

Das Fazit

Dass der noch sehr junge Verein aus Leipzig ein bisschen anders ist als gewöhnliche Aufsteiger ist natürlich klar. Er setzt alles daran seine Ziele zu erreichen. Nach einer klaren Spielphilosophie, angefangen bei den ganz kleinen Spielern, bis in die Lizenzmannschaft, wird hier Fußball gespielt. Es gibt auf und neben dem Platz ein klares Konzept, bei dem der Erfolg über allem steht. Unglaublich viele Spieler wurden eingekauft um die Mannschaft jedes Jahr stärker zu machen. Die Spieler die sich jeweils für die nächste Saison beweisen konnten, durften bleiben, der Rest musste gehen, inklusive Trainer. Geld spielt keine Rolle. Es wurde in den sieben Jahren seit der Vereinsgründung unter anderem über 100.000.000 Euro für neue Spieler und ungefähr 33.000.000 Euro in das Trainingsgelände, inklusive Internat gesteckt. Das Ziel ist es, mittelfristig bis langfristig, nur noch so wenig wie möglich neue Spieler zu holen und den Kader immer wieder mit jungen, hungrigen Talenten aus der eigenen Jugendarbeit zu verbessern. Der Erfolg gibt ihnen momentan recht. Nicht umsonst steht man momentan auf dem 1. Platz in der Bundesliga. Auch wenn es erstmal nur eine Momentaufnahme ist. In Leipzig, wird mit einer herausragenden Jugendarbeit in Zukunft noch einiges möglich sein.

Auch, wenn viele Traditionsvereine und Fans, RB in vielen Punkten in der Kritik stehen sehen:

RB Leipzig ist eine Bereicherung für die Liga und es macht Spaß ihr als neutraler Fan beim Fußballspielen zuzugucken.

RB Leipzig ist mehr als eine Getränkedose.

Wir können gespannt sein was die Zukunft bringt, ob als Fan oder als Kritiker!

 

 

 

 

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