Schlecker – Eine Legende wird verurteilt

 

Deutschland (28.11.2017) – Am 27.11.2017 wurde Anton Schlecker vom Landgericht Stuttgart zu zwei Jahren auf Bewährung und seine Kinder Lars (46)  und Meike (44) Schlecker zu einer Freiheitsstrafe von jeweils 2 Jahren und 9 bzw. 8 Monaten wegen Insolvenzverschleppung, Untreue und Bankrott verurteilt. Meike und Lars Schlecker wurden u.a. wegen Untreue nach § 266 StGB verurteilt, weil sie aus dem Logistikunternehmen LDG Euro 7 Millionen kurz vor dem Insolvenzantrag abgezogen haben. Die beiden Schlecker-Kinder haben bereits Revision gegen das Urteil eingelegt.

Die Medienlandschaft freut sich. Die Bildzeitung schreibt in Ihrer heutigen Ausgabe auf der Vorderseite „Familie Raffzahn verurteilt“ „Knast für Schlecker-Kinder … aber Vater Anton fährt weiter Porsche“. Dann werden in reißerischer Weise zwei Schlecker-Frauen zitiert, die sich über die Verurteilung freuen. Im Gerichtssaal haben ehemalige Mitarbeiter nach der Verurteilung mit Beifall reagiert. Rache, Neid und Missgunst regieren nach der Urteilsverkündung.

Wird diese Berichterstattung dem Lebenswerk von Anton Schlecker gerecht?

Ein Rückblick: Anton Schlecker wurde 1944 geboren und arbeitete zunächst im elterlichen Betrieb als Metzger. Er hat im Jahr 1975 eine hochmoderne Drogoriemarktkette gegründet. Bereits 1977 betrieb Anton Schlecker 100 Filialen und 1984 bereits 1000 Filialen. 1994 galt er in Deutschland als Marktführer. Parallel betrieb er den Markteintritt in Europa. 2008 machten europaweit mehr als 14.000 Filialen mit ca. 50.000 Mitarbeitern einen Umsatz von über 7 Mrd. Euro. Der Aufstieg von dem Unternehmen Schlecker zur größten Drogoriemarktkette Europas war eine deutsche Erfolgsgeschichte. Anton Schlecker wurde in Deutschland für seinen Erfolg gefeiert. Er hat seit über 35 Jahren hart für sein Unternehmen gearbeitet. Er hat über 35 Jahre lang seine Mitarbeiter pünktlich bezahlt. Anton Schlecker ist ein hochanständiger Mensch, der allerdings im beginnenden 21. Jahrhundert die Zeit zum Wandel verpasst hat. Er wollte grenzenlos expandieren und so begann der Anfang vom Ende. Andere Unternehmer hätten längst ihre Reserven angelegt und eine andere gesellschaftsrechtliche Konstruktion gewählt. Doch Anton Schlecker lebte nur für seine Unternehmen. Der erste gravierende Strategiefehler von Schlecker war auch Filialen in kleinen Orten mit nur 5.000 Einwohnern zu etablieren. Ein guter Schritt für die Entwicklung des ländlichen Raums jedoch ein erster Schritt Richtung Insolvenz. Weitere Strategiefehler folgten. 2011 unternahm Anton Schlecker noch durch Einschaltung externer Manager und Berater einen Rettungsversuch, der allerdings scheiterte. Am 23. Januar 2012 musste Anton Schlecker Insolvenz anmelden.

Die jetzige strafrechtliche Verurteilung bildet den Schlusspunkt der Unternehmensgeschichte Schlecker. Auch die Schlecker-Frauen dürfen davon ausgehen, dass Anton Schlecker die Insolvenz seines Unternehmens mit aller Macht bis zuletzt vermeiden wollte. Ein vielleicht zu spät erklärter Insolvenzantrag beruht in der Regel darauf, dass der Unternehmer bis zuletzt glaubt sein Unternehmen retten zu können. Daher möchten wir statt allgemeiner Schadenfreude die Lebensleistung von Anton Schlecker würdigen und für die Jahrzehnte danken, in denen er viele tausende Mitarbeiter ernährte.

Redakteur

Hinterlasse ein Kommentar

  • (wartet auf Freischaltung)