(Foto / Grafik – V.l.n.r.: *Comedian, *Nite Owl II, Martin Schulz, *Dr. Manhattan, *Silk Spectre II, *Ozymandias)
*DC Comic, Watchmen

SPD: Die gescheiterte Taktik des Martin Schulz

… nach der 3. Volldrehung seiner Meinung wird Schulz von der SPD abgesägt

… oder wie eine Partei sich selbst demontiert

Berlin (Wochenendausgabe 10./11.Februar 2018) – Martin Schulz vor einem Jahr am 19.03.2017 mit 100 % von der SPD zu ihrem Vorsitzenden gewählt, wurde gefeiert wie der Messias. In den Medien wurde er in den Himmel gehoben. Sigmar Gabriel wurde auf den Posten des Außenministers geschoben. Andrea Nahles blieb noch in Deckung. Alles sah gut aus. Martin Schulz zog durch die Lande und wollte Bundeskanzler werden. Er predigte soziale Gerechtigkeit, konnte jedoch auf Nachfrage kein einziges konkretes Projekt nennen.

Im Duell gegen Angela Merkel als Kanzlerkandidat wirkte er wie ein kleiner Schüler der krampfhaft nach einem Kritikpunkt an Angela Merkel suchte. Es wurde Stück für Stück offensichtlich, dass Schulz das Volk nicht begeistern kann. Nach dem Wahldebakel zur Bundestagswahl der SPD im September 2017 wirkte er beleidigt und beschwor mantragleich, dass die SPD auf jeden Fall in die Opposition geht und er „auf keinen Fall in einem Kabinett Merkel als Minister tätig werden würde“. Er wollte damit Haltung demonstrieren. Tatsächlich ging er davon aus, dass die CDU/CSU sowieso mit der FDP und den Grünen eine Koalition bilden würde. So konnte er als ein Politiker mit Rückgrat wirken, weil aus damaliger Sicht eine weitere Groko ohnehin nicht erreichbar erschien. Doch dann kam alles anders:

Die Jamaika Bestrebungen scheiterten. Die Bürger fordern die grosse Koalition. Die SPD macht Druck auf Schulz. Schulz ändert seine Meinung und wird zum Befürworter für die Groko. Schwenk Nr. 1. Er wird unerwartet heftig vom linken Flügel in der SPD unter dem neuen Shootingstar der Jusos Kevin Kühnert angegriffen für seine Charakterlosigkeit. Mit Hilfe von Andreas Nahles rettet er sich in die Sondierungs- und später in die Koalitionsverhandlungen. Politisch schon längst innerparteilich erledigt, versucht er sich wenigstens vorzeitig im Tausch mit dem SPD-Vorsitz an Nahles und mit deren Zustimmung den Posten als Außenminister zu sichern. Schwenk Nr. 2. Ein unglücklicher Schachzug: Erstens, weil er doch im September so klar gesagt hatte, dass er „auf keinen Fall in einem Kabinett Merkel als Minister tätig werden würde“ und zweitens, weil er damit als erster Beteiligter der Groko-Verhandlungen überhaupt öffentlich einen Ministerposten beanspruchte. Auf der anderen Seite wird er gedacht haben, „wenn ich es jetzt nicht versuche, werde ich sowieso ausgetauscht und auf keinen Fall Minister“. Aus seiner Sicht ein letzter verzweifelter Versuch, einen Posten zu ergattern. Doch sein Fall war innerparteilich bereits zu tief. Unmittelbar nach seiner Ankündigung wurde er innerparteilich vollends abgesägt. Es hagelt einen Shit-Storm der SPD Mitglieder gegen Schulz. Auch bekannte SPD Genossen rebellieren. Sigmar Gabriel innerparteilich ebenfalls von Bedeutungslosigkeit bedroht, konnte es sich nicht leisten, von Schulz kalt abserviert zu werden, ätzte ebenfalls gegen Schulz und zitierte sogar seine 5-jährige Tochter gegen Schulz. Nahles hatte ihren Deal und brauchte Schulz ebenfalls nicht mehr. Schulz wurde genötigt, über die politische Planke zu laufen und seinen Verzicht auf das Amt des Außenministers zu erklären. Schwenk Nr. 3.

Der politische Tod des Martin Schulz. „Wäre er lieber im Europaparlament geblieben“, wird er denken. Er tauschte einen sicheren gut bezahlten Job bei der EU mit dem Himmelfahrtskommando Vorsitzender der SPD zu sein und verlor auf der ganzen Strecke. Die SPD Führung schob Schulz geschickt auf der politischen Bühne hin und her bis sie den Stecker rauszog und Schulz zwangen sich selbst zu entwürdigen. Dramatisches Ende der Groko-Verhandlungen als Start für eine stabile Regierung. Deutschland darf sich freuen auf den zweiten Teil des Schauspiels.

Die neue deutsche Bundesregierung

Redakteur